Mikrokredite in Deutschland

Politischer Hintergrund für Mikrokredite

Ende der 1990er Jahre begann sich eine eklatante Finanzierungslücke im Bereich der Existenzgründer und Kleinunternehmen zu offenbaren, die sich im Wesentlichen aus zwei Umständen ergab. So wird Kleinunternehmen der Zugang zu Kapital zunehmend erschwert, da sich zum einen die Mehrzahl der Banken und Sparkassen aus Kostengründen auf die Vergabe von Großkrediten fokussiert haben und zum anderen das Risiko einer frühzeitigen Pleite von frisch gegründeten Unternehmen und Kleinbetrieben heutzutage wesentlich höher ist. Denn viele Existenzgründungen werden aus wirtschaftlich ungünstigen Situationen wie bspw. Arbeitslosigkeit heraus initiiert.

Zudem wird von Unternehmenslenkern in Zeiten des Internets und der Globalisierung weitaus mehr Sachverstand und betriebswirtschaftliches Handlungsvermögen erwartet. Inzwischen ist die Kreditklemme auch im Mittelstand angekommen.

Um diesen Entwicklungen aktiv entgegenwirken zu können, wurden erste Initiativen nach internationalem Vorbild in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, Banken und Stiftungen ins Leben gerufen, woraus schlussendlich die Gründung des Deutschen Mikrofinanz Institutes (DMI) im Jahr 2004 hervorgegangen ist.

 

Woher das Geld zur Mikrofinanzierung stammt

Um die Frage zu klären, woher genau das Geld für die Mikrokredite stammt, lohnt es sich, den Antragsprozess zunächst in aller Kürze näher zu beleuchten (Die Details zum Kreditantrag werden an anderer Stelle näher beschrieben). Im ersten Schritt beantragt der Existenzgründer bzw. der Inhaber einen Mikrokredit bei einem vom DMI akkreditierten Mikrofinanzierer. Der Mikrofinanzierer prüft den Antrag und gibt ggf. eine Empfehlung zur Vergabe eines Kredites an die GLS-Bank. Die Bank schließt dann mit dem Kreditnehmer einen standardisierten Kreditvertrag ab und der Mikrofinanzierer startet die Betreuung des Kreditnehmers für die gesamte Laufzeit des Kredites. In erster Linie kommt das Geld zur Mikrofinanzierung also wie bei einem gewöhnlichen Kredit auch von der Bank. Bei der Frage, wer Kreditausfälle zu tragen hat, ergeben sich jedoch signifikante Unterschiede. Hier hat die GLS-Bank nämlich die Möglichkeit, etwaige Ausfälle aus der Mikrofinanzierung vollständig an das Mikrofinanzinstitut, das den Kredit empfohlen hat, bzw.an den so genannten „Mikrokreditfonds Deutschland“ abzuwälzen.

Der Mikrokreditfonds Deutschland wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Ende 2009 als Garantiefonds eingerichtet. Der Fonds hat ein Volumen von 100 Mio. Euro. Etwa 60 Mio. Euro kommen aus dem Europäischen Sozialfonds. Der Fonds selbst haftet jedoch nur für Kreditausfälle, die 20 % der Summe des Kreditportfolios des jeweiligen Mikrofinanzinstituts übersteigen. Bis zu einem Volumen von 20 % haftet der Mikrofinanzierer selbst für die Ausfälle, die innerhalb seines Kreditportfolios anfallen. Um das Geschäftsmodell des Mikrofinanzierers attraktiver zu gestalten, schafft der „Mikrokreditfonds Deutschland“ Anreize, indem er dem Mikrofinanzierer eine Provision zahlt, deren Höhe sich aus den Tilgungen und der Höhe der Kreditausfallquote berechnet. Darüber hinaus erhält das Mikrofinanzinstitut ein Stückentgelt für jeden abgeschlossenen Kreditvertrag.